Max Reinhardt inszeniert Musiktheater, Quellen und Anmerkungen

Aus Dagmar Saval Wünsche

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In Bearbeitung, 2.9.2018


PRIMÄRQUELLEN:

Berlin:

Archiv der Akademie der Künste, Berlin

Das Archiv der Akademie der Künste hat keinen Nachlaßteil Max Reinhardt, es hat apokryph bei seiner Wiedererrichtung 1954 eine Sammlung Max Reinhardt aufgebaut. Dennoch verfügt das Archiv in seinen Beständen viele Reinhardtiana, die mit den Nachlässen vor allem vieler Schauspieler in das Archiv gelangt sind.    

Landesarchiv Berlin

Der wichtigste Aktenbestand für Max Reinhardt und seine Bühnen in Berlin ist unter Rep 30 zu finden/Polizeipräsident von Berlin

Wien:

Teilnachlaß Max Reinhardt Theatermuseum Wien

Teilnachlaß Max Reinhardt Wienbibliothek


GEDRUCKTE LITERATUR IN AUSWAHL: Kurztitel

Gusti Adler, … vergessen Sie nicht die chinesischen Nachtigallen. Erinnerungen an Max Reinhardt. München, Wien 1980

Max Reinhardt. Leben für das Theater. Briefe, Reden, Aufsätze, Interviews, Gespräche, Auszüge aus Regiebüchern. Hg:. Hugo Fetting

Berlin/Henschel 1974/ 1989 erschien eine erw. Lizenzausgabe im Argon-Verlag , Berlin und gleichzeitig im Henschel-Verlag Berlin 1989

Peter Hawig, Jacques Offenbach, Facetten zu Leben und Werk. Köln, Rheinkassel 1999. Beiträge zur Offenbach-Forschung, Bd. II. 

Heiner Huesmann, Welttheater Reinhardt

Gottfried Reinhardt, Der Liebhaber. Erinnerungen seines Sohnes an Max Reinhardt. München, Zürich 1973

Die Publikationen der Max-Reinhardt-Forschungs- und Gedenkstätte Salzburg

 Lucie Korngold

Leonard Fiedler, Max Reinhardt


 Anmerkungen/Fußnoten/ erw. Kommentar mit bibliographischen Angaben

1)      Vortrag, gehalten in der Gesellschaft für Theatergeschichte, Berlin, 22.Jan.2016;  überarbeiteter Text. Viele Details bleiben in einem Vortrag naturgemäß unerwähnt, um die Hörer nicht mit allzu großer Detailfreudigkeit zu überfordern.  Textteile, die für den Vortrag dem Rotstift zum Opfer gefallen sind, habe ich dem Text  wieder hinzugefügt. Das Kapitel „Max Reinhardt inszeniert Musiktheater“, eigentlich müßte es korrekterweise heißen "Max Reinhardt und die Musik" ist ein noch weitgehend ungeschriebenes Kapitel. 

Werkbiographisch fehlt auch eine Recherche, was der Schauspieler Reinhardt aus Wien, der Stadt in der er aufgewachsen ist, quasi als "musikalisches Gepäck" nach Berlin mitgebracht hat und welche musikalischen Kontakte er (oft noch nachträglich) geknüpft hat.  

Zur „Tradition“des Wiener Volkstheaters gehört  Musik und Musikeinlagen.Die musikalisch beliebtesten Elemente sind: Duette, Couplets, Quodlibets – und nicht zu vergessen die Opernparodien! – alle diese Elemente treiben die Handlung voran, unterbrechen, sie, erklären sie.

Wenn MR dann der Musik in seinen Sprechtheater - Inszenierungen einen zum Teil sehr großen Raum zumißt, dann greift er damit auf eine sehr alte wienerische Theatertradition zurück.  

2)      Gottfried Reinhardt, Der Liebhaber. 

3)      Leo Blech, Dirigent ,1871-1958

4)      Neues Theater, d.i. Theater am Schiffbauerdamm, Schiffbauerdamm 5, Berlin NW.  Direktion Reinhardt :1903 - 1906.

5)      S.Insz.liste im Anhang

6)      Das Friedrich Wilhelmstädtische Theater war vor der Übernahme durch l’Arronge das führende Operettenhaus Berlins; hier wurde die „Fledermaus“ unter Johann Strauß Dirigat ebenso bejubelt sowie die Gastspiele  von Jacques Offenbach.

7)      Adolphe L’Arronge, Schriftsteller, Theaterdirektor, Regisseur, 1838-1908

8 )Offenbachiade : Das Prinzip der Offenbachiade ist – auf eine Kurzformel gebracht die Inversion, ihre Vielschichtigkeit. Nichts ist so wie es scheint, alles was auf festen Füßen steht,zu stehen scheint, tut dies nicht, fällt bei der erst besten Gelegenheit in sich zusammen, verkehrt sich in sein Gegenteil, schiebt etwas bisher unbeachtetes in den Vordergrund , erschafft eine völlig neue anders geartete Wirklichkeit . Die „Offenbachiade“ vereint alle nur möglichen Spielelemente: das  Spiel im Spiel, der verführerische Nonsense, das Maskenverwirrspiel, das Märchenhaft-Utopische, die Satire, die Parodie, die Karikatur usw.

9 ) S. Insz.liste im Anhang

10)„Marseillaise“: Text und Musik von Claude Joseph Rouget de Lisle, komponiert als Revolutionslieder der Französischen Revolution 1789

11) Oskar Fried, Komponist und Dirigent (1871 – 1.7. (?)1941 oder Juli 1942, Moskau), Schüler von Engelbert Humperdinck, Philipp Scharwenka, 1904-1910 Dirigent des Stern’schen Gesangsvereins, ab 1907 Dirigent der Gesellschaft der Musikfreunde  mit dem Stern’schen Gesangsverein – in Berlin. Er gilt als Mahlers größter zeitgenössischer, authentischer Interpret. Wie viele seiner Zeitgenossen möchte Fried das Musiktheater erneuern, revolutionieren, Wort und Ton sollen dem dramatischen Duktus Genüge tun. 

Das Stück „Die Auswanderer“:  Text ein Gedicht von Emil Verhaeren, übers. Stefan Zweig, aufgeführt 3.1.1913 vom Berliner Philharmonischen Orchester, Dirigent Oskar Fried, Sprechstimme: Tilla Durieux…, zit. Memoiren der Durieux: S. 158 /Ausg. 1954.

Fried von der Aufführungspraxis des "Monodram mit Sprechstimme" unbefriedigt, erfindet eine neue Definition: die Sprechtonstimme, bei der auf Tonhöhe gesprochen wird.

12) Otto Klemperer, Dirigent, 1885 – 1973; Peter Heyworth , Otto Klemperer. Dirigent der Republik, 1885-1933, Berlin (1988)

13)Eva von der Osten, Sopran, 1881-1936

14)  S.Insz.liste im Anhang 

15)  S.Insz.liste im Anhang

16)  Erich Mühsam, Schriftsteller , 1878 -1943

17)  Alexander Zemlinksy, Komponist und Dirigent, 1842 -1942

18)  Arthur Kahane, Dramaturg und Schriftsteller,1872-1932

19)  S.Insz.liste im Anhang; Fritzi Massary, Maria Jeritza

20)  Theater am Kurfürstendamm

21)  Lion Feuchtwanger, Kritik

Reinhardt genügte die Guckkastenbühne längst nicht mehr, sie war ihm und seiner überbordenden Phantasie zu eng geworden; er suchte nach neuen Raumlösungen …

In der Reliefbühne von Georg Fuchs aus München meinte er eine adäquate Lösung gefunden zu haben. Er erweiterte diese Reliefbühne um den sogenannten Blumenweg (des japanischen Theaters). Der bot ihm die von ihm angestrebte Möglichkeit

das Spiel mitten unter (eigentlich über den Köpfen) den Zuschauern  zu spielen, das Publikum zum Mitspieler, zum Mitwisser zu machen, das lebendige Wechselspiel zwischen Bühne und Publikum herzustellen.

Georg Fuchs, Schriftsteller, Architekt und Bühnenbildner, 1868 -1949

22)  Richard Tauber

23)  Das Weiße Rössl

24)  Egon Friedell, Hans Sassmann

25)  Erich Wolfgang Korngold, Komponist und Dirigent, 1897 -1957

26)  La Jana

27)  Charles B.Cochran

28)  P.A. Herbert

29)  Ben Hecht

30)  Zu Hoffmanns Erzählungen /Werkgeschichte/Fassungen

„Hoffmanns Erzählungen“ war seit der UA in Paris, am 10.2. 1881 zahlreichen Bearbeitungen ausgesetzt;  Offenbach hatte sein opus summum als Torso hinterlassen; er war wenige Monate vor der UA gestorben, am 5. Oktober 1880.

Der damalige Direktor der Opéra comique , Carvalho, strich noch wenige Stunden vor der Uraufführung, den letzten Akt, das war der Giulietta-Akt – mit der Begründung, die Oper wäre zu lang.

Es folgt eine lange, sehr komplizierte Geschichte an Bearbeitungen, diversen fassungen Neufassungen usw. Berlin hatte seine eigene Hoffman-Tradition entwickelt:

Mit der Eröffnung der Komischen Oper im November 1905, in einer Fassung Hans Gregor/Max Morris.  Grundlage der Gregor/Morris –Fassung war die Fassung Gunsbourg, Monte Carlo 1904.

Dann folgt die königliche Hofoper Unter den Linden, 1913, die wiederum die Fassung des Pariser Verlages Choudens benutzt.

Der Pariser Verlag Choudens veröffentlicht  1907 (kompiliert aus den vorhergehenden Fassungen, als Klavierauszug  Nr.5  eine Fassung, die der deutsche Verlag Peters, Leipzig übernimmt. Diese Fassung bleibt dann bist auf weiteres die verbindliche Grundlage für weitere Aufführungen im deutschen Sprachraum, verlegt 1910 bei Peters Leipzig.

Diese Fassung 5 basiert auf Fassung 4 des Klavierauszuges, der 1890 erschienen ist und noch von Ernest Guiraud überwacht wurde.

Sämtliche weitere Fassungen, die danach entstanden, im Druck erschienen sind  (bis zur Oeser-Ausgabe 1977) gehen auf diese Fassung 5, 1907, publ. von Choudens, zurück.

Wichtig für die Inszenierung:

Diese Fassung enthält die Muse/Niklausse und der Giulietta-Akt steht anders als in Fassung 4 jetzt vor dem Antonia-Akt.

1907 veröffentlichte Hans Loewenfeld in der Edition Peters seine Fassung von „Les Contes d’Hoffmann“ in einem Klavierauszug. Das Vorwort verrät nicht, auf welche Fassung des Verlages Choudens sich der Herausgeber und Bearbeiter Hans Löwenfeld bezieht.

In einer  Fußnote zum Septett im Giulietta – Akte bezieht er sich auf Material aus dem Nachlaß des Komponisten; es gibt auch einige Hinweise auf andere, frühere, Bearbeitungen.

Die Reinhardt-Blech Produktion im Schauspielhaus  basiert möglicherweise auf der Peters-Ausgabe von 1910 in der Übersetzung von August Kogel, es ist aber nicht ausgeschlossen, daß auch auf die Loewenfeld-Ausgabe zurückgegriffen wurde.

Vergleiche der Szenenabfolge in verschiedenen Ausgaben mit dem im Nachlaß Reinhardt  überlieferten Materialien, dem Vergleich der Bildabfolge und der Beschreibung von Hans Sassmann für die Ausgabe in „Musik für alle“, ergibt sich ein  ungefähres Bild der erfolgten Eingriffe in die Dramaturgie, die Szeneabfolge.

Zum Libretto das Offenbach benutzt hat:

Grundlage für das Libretto der Oper von Offenbach war das Drama „Les Contes d’Hoffmann“ von Jules Barbier und Michel Carré, 1851 in Paris uraufgeführt.

Aus diesem Sprechtheaterstück entwickelten Barbier und Offenbach, Carré war inzwischen gestorben, das Libretto für die Oper.

Dieses Libretto folgt dem szenischen Aufbau des Dramas. Das bedeutet, die ursprüngliche Abfolge der Akte wird übernommen, ebenso die Rolle der Muse/Niklausse und der Stella wie im Sprechstück.

Die motivischen Grundlagen sowohl für das Sprechstück wie für die Oper kommen im wesentlichen aus folgende Erzählungen von ETA Hoffmann:

„Der Sandmann“ für den Olympia-Akt

„Abenteuer in der Silvester-Nacht“ für den Giulietta-Akt

„Der Rat Krespel“ für den Antonia-Akt

Die Automate – für den Olympia - Akt

Der Goldene Topf /Lindorf

Die Figur des Schlemihl ist in der Erzählung von ETA Hoffmann eine Anspielung/Parodie auf  Adalbert von Chamisso „ Peter Schlemihls wundersame Geschichten“. Für die Oper ist E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Geschichte vom verlorenen Spiegelbilde des Erasmus Spikher“, die eigentliche Quelle des Motives des verlorenen Spiegelbildes .

 Reinhardt, seine beiden Librettisten Friedell und Sassmann wollten mit der Bearbeitung der Oper „Les Contes d’Hoffmann“ eine musikalische Biographie des ehemaligen Kammergerichtsrates Hoffmann auf die Bühne bringen:

31)  Alfred Polgar

32)  Oskar Strnad

33)  Adele Strauß; Im Falle der Fledermaus hatte es Korngold leicht, seine und Reinhardts Wünsche zu realisieren; er gehörte zum Insiderkreis der „eisernen Witwe“.

34)  Marcellus Schiffer, Carl Rössler

35)  Diese choreographische Auflösung ankommender Gäste hat einen Vorläufer: im „Schwierigen“ (Josefstadt, 1924), 2. Akt, Eintreffen der Gäste zur Abendgesellschaft.

36)  Ein Walzer – nach heutiger Diktion, besteht aus mehreren Walzern, meist sind es 4- 5, die von einer Introduktion eingeleitet und von einer Coda – musikalisch zusammengefaßt werden.

37)  Frühlingsstimmenwalzer

38)  Max Reinhardt, Schriften, hg.v.Hugo Fetting, Ausgabe 1973